|
Lexikon
|
Aus: Historisches Lexikon der SchweizBurgen und Schlösser: Definition und Terminologie Autor: Werner Meyer, Basel Unter dem Begriff Burg ist grundsätzlich eine hoch- und spätmittelalterliche Wehranlage zu verstehen, die gleichzeitig Angehörigen der Oberschicht (Adel) als Wohnsitz diente, den Mittelpunkt eines herrschaftlich organisierten Güter- und Rechtsverbands sowie eines Wirtschaftsbetriebs bildete und mit ihren Bauformen Stand, Macht und legitime Herrschaft repräsentierte. In den lat. Quellen werden solche Anlagen meist als castrum, seltener als castellum, fortalicium oder munitio bezeichnet. Neben den Begriff Burg traten vom 13. Jh. an die Synonyme Schloss, Haus oder Feste. Vom 15. Jh. an verband sich der Begriff Schloss immer häufiger mit bestimmten Burgnamen (z.B. Schloss Wildenstein). In der modernen Fachterminologie bedeutet Burg den ma. Wehrbau, Schloss den neuzeitlichen Herrensitz ohne ausgesprochenen Wehrcharakter. Wehr- und Sperrfunktionen kamen auch verschiedenen anderen Formen von Befestigungen zu. |
| A. |
Abort (Heymlich Gemach) |
Auch Latrine, meist in Erkerform ins Mauerwerk eingebaute Toilette. |
|
|
Angriffsturm |
Der Angriffsturm wurde mit nassen Tiehäuten bespannt und konnte so nicht in Brand geschossen werden. Er wurde bis an die Burgmauer herangeschoben. Dort schoss man von der obersten Plattform auf die Verteidiger, oder man ließ die Zugbrücke hinab, um die Mauer zu überwinden. |
||
|
Außenwerk (Zwinger) |
Eine stark befestigte Burg hatte sowohl ein Außen- als auch ein Innentor. Zwischen beiden Toren befand sich ein ungeschützter offener Bereich, der Zwinger. Dieser war von Mauern umgeben und als Falle für die Angreifer konstruiert, die durch das Außentor nach innen gelangt waren. Befanden sich die Angreifer innerhalb der Zwingermauern, so hatten sie nur die Wahl durch das Außentor zurückzukehren oder sich den Weg durch das Innentor zu erkämpfen. In dieser Zeit waren sie jedoch ohne jeden Schutz Pfeilen und andere Waffen ausgesetzt. |
||
|
Armbrust |
Handwaffe, die aus einem Schaft und einem sehr starken Bogen besteht. Sie wurde mit Hebelkraft gespannt und verschoss Bolzen. |
Bild. | |
| B. |
Balliste |
Man verwendete Balliste zum Schleudern schwerer Bolzen und Steine. Sie ähnelten großen Armbrüsten, hatten jedoch zwei sepperate Arme. Jeder Arm wurde mit einem eigenem Spannstrang an der Winde festgezogen. |
|
|
Barbakane |
Einem Burgtor Vorgelagerte Befestigungsanlage, oft noch vor dem Burggraben. |
||
|
Bastion |
Mauervorbau zum Aufstellen von Geschützen |
||
|
Belagerungsturm |
Fahrbarer Turm zum Angriff auf die Wehrgänge. |
Bild. | |
|
Bergfried |
(berc = Berg u. vride = Schutz). Das ist der höchste Turm in einer Burg. Die Eingangstür befindet sich aus Sicherheitsgründen nicht zu ebener Erde, sondern im ersten Stock. Man gelangt dorthin über eine Einstiegsleiter, die bei Gefahr hochgezogen oder zerstört wird. Im Innern des Turmes befindet sich ein weiträumiger Saal. Durch eine Öffnung in der Decke gelangt man in die oberen Etagen. Zwei weitere Stockwerke liegen unterirdisch. Hier befinden sich der Brunnenschacht, die Vorratsräume und eine Sickergrube für Fäkalien. Der Bergfried diente als letzte Zuflucht bei einem Angriff. |
||
|
Brustwehr |
Schmal, brusthohe Mauer als Abschluss des Wehrganges, meist mit Zinnen und mit Schisscharten versehen. |
||
|
Burgvogt |
Herrschaftlicher Beamter, dem die Verwaltung und Verteidigung einer Burg anvertraut war. |
||
|
Burgmauer |
Die Burgmauer ist an mehreren Stellen durch Türme verstärkt, die eine bessere Verteidigung ermöglichen. Überall entlang der Mauer befinden sich Öffnungen, durch die man den Feind beobachten und Steine, brennbares Material (wie Pech und Teer) oder andere Gegenstände hinabwerfen kann, um die Angreifer zurückzudrängen. Diese Öffnungen nennt man daher auch Gusslöcher oder Pechnasen. |
||
| D. |
Donjon |
Zentraler Wohnturm französischer Herkunft mit besonders starken Mauern und mit repräsentativen Innenräumen, die beheizt werden konnten und größere Fenster aufweisen. |
|
| E. |
Edelfreie oder Edelinge |
Als edelfrei (Edelfreie oder Edelinge) wurden ursprünglich diejenige germanischen Adeligen bezeichnet, die sich von den anderen Freien durch die Zahlung des dreifachen Wergeldes unterschieden. Im Mittelalter bedeutete edel- oder hochfrei, vereinfacht ausgedrückt, dass jemand von uradeliger, dynastischer Herkunft war. Edelfreie Familien waren unabhängig von rechtlichen Bindungen übergeordneter Natur, sie waren keinen anderen Familien oder Dynastien untergeordnet, abgesehen von König bzw. Kaiser Die Zahl der altadeligen, edelfreien Familien war begrenzt. |
|
| F. |
Fallgatter |
Ein Fallgatter war ein schweres Gitter, das vor einem Burgtor herabgelassen werden konnte, um den Zugang zur Burg zu versperren. Das Tor befand sich innerhalb eines Torhauses, einem der Wachtposten in der Befestigungsanlage. Der Durchgang zur Burg konnte durch eine Art Tunnel im Torhaus führen und wurde von einem oder mehreren Fallgattern in der Mitte oder an den beiden Enden abgesperrt. Der Kurbelmechanismus für das Fallgatter befand sich im oberen Teil des Torhauses und wurde strengstens überwacht. Das Fallgatter war meist ein Gitter aus massiven Holz- oder Eisenstäben. Verteidiger sowie Angreifer konnten durch das Gatter schießen. |
|
| G. |
Ganerbenburg |
Von mehreren Familien in verschiedenen Häusern bewohnte Burg. |
|
|
Gaukler |
Akrobaten, Jongleure, Bärenführer oder Zauberer, die die Burg zu Burg zogen und bei Festen für Unterhaltung sorgten. |
||
|
Grosse Halle |
Auch Rittersaal. Empfangsraum für Gäste und Speiseraum. | ||
| H. |
Hauptburg |
Vorburg und Hauptburg sind durch eine zweite Mauer getrennt. In die Hauptburg gelangt man durch die Torhalle. |
|
|
Halsgraben |
Bei Höhenburgen die künstliche Trennung vom Landrücken, wo Angriffe am leichtesten möglich waren. Er wurde üblicherweise mittels einer Zugbrücke überwunden. |
||
|
Heerfolge |
Als Gegenleistung für ein Lehen geleisteter Kriegsdienst. |
||
|
Hellebarde und Dolch |
Der Dolch war eine Ergänzung zum Schwert, gleichzeitig auch Schmuck. Er diente im Nahkampf und war auch eine Waffe für Jedermann. Der weit in Europa verbreiteste Dolch war der Misericorddolch, er wurde für den Gnadenstoss verwendet. Die Hellebarde war eine Lanzenwaffe, verwendet wurde sie bei der Torwache und den Fusstruppen in der Schlacht. Die beste Waffe auf dem Feld gegen berittene Ritter. Die ursprüngliche Hellebarde kam aus dem asiatischen Raum. Die erste "Hellebarde" war ein langer Stab (Stock), an dem ein Schwert festgebunden wurde, was später noch perfektioniert wurde. |
||
|
Hochburg |
Gewöhnlich der höchstgelegene und älteste Teil einer Burg |
||
|
Hocheingang |
In einem Obergeschoß gelegener Eingang eines Bergfriedes. Der Eingang konnte nur über eine Holztreppe oder Leiter erreicht werden, die im Belagerungsfall rasch abgebrochen oder eingezogen werden konnte. |
||
|
Höhenburg |
Wehrbau auf einer Anhöhe, auch Bergfeste genannt. |
||
|
Höhlenburg |
Natürliche Höhlen wurden oft künstlich erweitert, befestigt und manchmal zu kleineren Burgen ausgebaut. Beispiel: Adelsberg in Slowenien |
||
|
Hurde |
Nach außen vorkragender hölzerner Wehrgang an Burgmauern zum Beschuß des Feindes am Mauerfuß. |
||
| K. |
Katapult |
Der Arm des Katapults wurde durch einen Strang aus Rosshaar, ein Seil oder eine Sehne gespannt. Eine Steinkugel wurde in die löffelförmige Aushöhlung geladen. Durchtrennte man den Strang, schnellte der Arm in die Höhe und die Kugel wurde abgeschossen. |
|
|
Kapelle |
In vielen Burgen gibt es noch eine burgeigene Kapelle. |
||
|
Kemenate |
Hier befindet sich auch ein Kamin, vor dem sich die Familie des Burgherrn nach dem Abendessen versammelte. |
||
|
Knappe |
Junger Adliger, der mit 14 Jahren im Dienst eines Ritters seine Ausbildung zum Ritter fortsetzt. |
||
| L. |
Letzi (Letzimauer) |
Der Mittelhochdeutsche Ausdruck (Letzi) bedeutet Hinderung, Hemmung, Schutzwehr oder Grenzbefestigung. Eine Letzimauer hatte feindlichen Durchmarsch abzuweisen. | |
|
Lehen |
Ursprünglich waren die Lehen nicht erblich, sondern fielen beim Tod des Lehensnehmers (Vasallen) wieder an den Lehensherrn zurück, ebenso beim Tod des Lehensherrn an dessen Nachfolger. Damit konnte der König die Fürsten recht gut kontrollieren. Mit der Zeit verschob sich aber das Machtgleichgewicht, die Grafen wurden stärker und konnten die Erblichkeit der Lehen erreichen. Das Lehen fiel nun nur noch an den König zurück, wenn der Lehenstrüger ohne Nachkommen starb. Die Könige suchten deshalb innerhalb des Reiches ein für sie günstiges Gleichgewicht zwischen den weltlichen Fürsten und den Fürstbischöfen zu erreichen, und sie versuchten, auf die Ernennung der Bischöfe Einfluss zu nehmen. Darüber kam es zu einem jahrzehntelang dauernden Machtkampf zwischen den deutschen Kaisern und dem Papst |
||
| M. |
Morgenstern |
Der Morgenstern war ein Holzstab, an dem eine oder zwei Ketten befestigt waren. Am Ende der Kette befand sich eine Eisenkugel mit Spitzen. Der Morgenstern wurde im Nahkampf oder bei Turnieren verwendet. Der Name Morgenstern kam (meiner Meinung nach) deshalb zu Stande, weil die Eisenkugel mit den Spitzen dem Planeten Venus (wenn der Planet Venus westlich am Morgenhimmel steht, blinkt er) ähnelt. Die Venus wird auch Morgenstern genannt. |
Bild. |
|
Motten, die ersten Burgen |
Vorläufer der großen Ritterburgen war eine frühe Befestigungsanlage, die man Motte nennt. Unter einer Motte versteht man einen aufgeschütteten Erdhügel, auf dem ein hölzerner Wohn- und Wehrturm stand, der von einer starken Palisade umgeben war. Die meisten Motten hatten am Fuße des Berghügels einen weiteren von Palisaden geschützten Bereich, in dem Ställe und Wirtschaftsgebäude untergebracht waren. |
||
| P. |
Palas |
Das ist das eigentliche Wohnhaus des Burgherrn. Ein großer Saal bildet das Kernstück des Wohnhauses und dient als Versammlungsraum und Sitzungssaal. |
|
| R |
Rammbock |
Oder Widder. Ein grosser Balken auf fahrbarem Gestell zum Einrammen von Toren und Mauern. Die Metallspitze des Balkens war oft als Widderkopf geformt. |
|
|
Reichshof |
Bedeutete Königsgut, |
||
|
Rüstung |
Die Rüstung bestand aus mehreren Eisenplatten, die zusammen vernietet und mit Lederriemen verbunden wurden (Beweglichkeit). Manche Rüstungen waren so schwer, das die Ritter mit einem Flaschenzug aufs Pferd gehoben werden mussten. Unter der Rüstung trug man ein Kettenhemd. Über der Rüstung kam dann der Waffenrock, mit dem jeweiligen Wappen oder den Clanfarben. Als Kopfschutz trug der Ritter einen Helm. Auf manchen Helmen war sogar noch das Wappensymbol eines jeden Ritters. Der Ritter konnte sich nur mühsam in seiner Rüstung bewegen, bei längerer Tragezeit ermüdete er. Mit der Erfindung und Einführung der Kanonen war die Rüstung (Ritter) überflüssig geworden. | ||
| S. |
Schwert und Schild |
Schwert und Schild waren sie Standartutensilien eines Ritters. Das Schild diente zur Abwehr von Schwerthieben und Pfeilangriffe. Auf dem Schild trug der Ritter sein Wappen, was erkennen liess, zu welchem Clan (Familie) er gehörte. Das Schwert selber war eine Unikat, welches er selber anfertigte oder anfertigen liess. In Europa war der Einhänder am weit verbreitesten, dagegen in Schottland, Irland und in einigen Teilen Englands der Zweihänder. |
|
|
Steinschleuder |
Der lange Arm der Steinschleuder wurde heruntergezogen und die Schlinge mit einem Geschoss beladen. Wenn man das Seil löste, senkte sich das Gewicht am kurzem Arm und das Geschoss flog davon |
||
|
Streitaxt |
Die Streitaxt ist ebenso wie der Morgenstern eine Nahkampf-und Tunierwaffe. Die Axt an sich hat eine urlange Vergangenheit in der Menschheit und in der Mythologie, sie verkörpert Kraft und Macht, sie gilt auch als Göttersymbol. Die Axt war einfach universell einsetzbar, als Waffe oder als normaler Gebrauchsgegenstand. |
||
| T. |
Turm mit Verliesen |
In diesem Turm befindet sich der Kerker. Hier werden Leute eingesperrt, wenn sie etwas verbrochen haben. |
|
| U. |
Unterminieren |
Wenn die Burg nicht auf einem Felsen stand und keinen Burggraben besaß, trieben die Angreifer einen mit Holzpfosten abgestützten Stollen bis unter die Mauer oder einen Eckturm. Dann legten sie Feuer, die Steine barsten, die Holzpfosten brannten nieder und die Mauer stürzte zusammen. |
|
| V. |
Vorburg |
Zwischen Burgtor und Hauptburg ist die Vorburg. Hier befindet sich alles, was die Bewohner oder auch die Besucher (Gesinde und Bauern) zum täglichen Leben benötigen. Eseltreiberstube und Gesindehaus, aber auch Töpfer-, Sattler-, Tischler- und Schmiedewerkstätten. So entsteht in der Vorburg fast eine kleine eigenständige „Siedlung" im Schutze der Burg. |
|
| W. |
Wehrgang |
Holzaufbau über der Mauer zur Verteidigung, überdacht. |
Bild. |
| Z. |
Zeughaus mit Marshall |
Im Zeughaus werden Vorräte und Kriegsmaterial aufbewahrt. Hier befindet sich eine Art Rüstkammer. Der Marschall ist der Pferdeknecht und Aufseher über die Pferde. |
|
|
Zisterne |
Zisternen sind Anlagen zum Auffangen und Speichern von Wasser. |
||
|
Zugbrücke |
Wenn die Zugbrücke hochgezogen wird, ist die Burg von außen nicht mehr zu erreichen, es sei denn, man schafft es, den Wassergraben zu durchqueren und Fallgatter und Burgtor zu überwinden. Zusätzlichen Schutz bietet manchmal eine dem Tor Vorgelagerte Befestigungsanlage. So eine Befestigungsanlage heißt „Vorwerk" oder „Barbakane". |
||
Die Burgtypen
|
|
|
|
|
